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Bellange, Jacques (1575-1616, Nancy)Die Verkündigung

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Die Verkündigung. Radierung. 34,3 x 31,6 cm. Nach 1613. Robert-Dumesnil 1, Walch 24 II, Worthen/Reed 42, Griffiths/Hartley 9. Wz. Posthorn mit kleinem lothringer Kreuz (?).

Jacques Bellange gilt heute zweifellos als einer der unkonventionellsten und ausdrucksstärksten graphischen Künstler des Spätmanierismus, der in seinem relativ kleinen Œuvre aus etwa 47 radierten Arbeiten einen ganz eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelte. Als Maler ausgebildet und von 1602 bis 1616 am Hofe des Herzogs von Lothringen in Nancy tätig, setzte Bellanges intensivere Beschäftigung mit der Radierkunst wahrscheinlich erst relativ spät ein, wohl nach 1613, und muss sich demnach in sehr kurzer Zeit entwickelt haben. Das vorliegende, den reifen Stil des Künstlers exemplarisch aufzeigende Blatt mit der bildmäßig aufgefassten Darstellung der Verkündigung zählt zu den Hauptblättern des Meisters. Bellanges vollends ausgereifte Radiertechnik charakterisiert die souveräne Beherrschung unterschiedlicher Modi plastischer Modellierung, von dichten Schraffuren bis zu zarten Punktgefügen, die er in wiederholten Überlagerungen zu einem komplex durchmusterten Gefüge aufbaut. Im Gegensatz zu früheren Radierversuchen ist zudem das Weiß des Papiers nicht mehr nur leere Fläche, sondern harmonisch als Lichtpartie in das Clair-obscur miteinbezogen. Die spannungsreich differenzierte und zugleich kompakte Durchbildung der fast gesamten Blattfläche akzentuiert als ausdruckssteigerndes Mittel die manieristische Überhöhung der Figuren und spirituelle Intensität des gezeigten Momentes. Als Inspirationsquelle für die Figur des Engels diente Bellange wohl Caravaggios Gemälde gleichen Themas in Nancy (heute Musée des Beaux Arts).

Das Blatt im zweiten Zustand mit der Signatur - vom ersten Zustand ist nur ein Abzug in Boston bekannt - in einem prachtvollen, prägnanten und die tonalen Valeurs gegensatzreich wiedergebenden Abzug mit der vollen Einfassung an drei Seiten, unten mit Spuren der Facette. Unauffällig geglättete Mittelfalte verso, punktuell unmerkliche Bereibungen, drei Ecken montierungsbedingt minimal dünn, die obere rechte Spitze hinterlegt, unbedeutend angestaubt, vor allem verso, sonst in vorzüglicher Erhaltung. Von größter Seltenheit.

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29 Nov 2023
Germany, Berlin
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Die Verkündigung. Radierung. 34,3 x 31,6 cm. Nach 1613. Robert-Dumesnil 1, Walch 24 II, Worthen/Reed 42, Griffiths/Hartley 9. Wz. Posthorn mit kleinem lothringer Kreuz (?).

Jacques Bellange gilt heute zweifellos als einer der unkonventionellsten und ausdrucksstärksten graphischen Künstler des Spätmanierismus, der in seinem relativ kleinen Œuvre aus etwa 47 radierten Arbeiten einen ganz eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelte. Als Maler ausgebildet und von 1602 bis 1616 am Hofe des Herzogs von Lothringen in Nancy tätig, setzte Bellanges intensivere Beschäftigung mit der Radierkunst wahrscheinlich erst relativ spät ein, wohl nach 1613, und muss sich demnach in sehr kurzer Zeit entwickelt haben. Das vorliegende, den reifen Stil des Künstlers exemplarisch aufzeigende Blatt mit der bildmäßig aufgefassten Darstellung der Verkündigung zählt zu den Hauptblättern des Meisters. Bellanges vollends ausgereifte Radiertechnik charakterisiert die souveräne Beherrschung unterschiedlicher Modi plastischer Modellierung, von dichten Schraffuren bis zu zarten Punktgefügen, die er in wiederholten Überlagerungen zu einem komplex durchmusterten Gefüge aufbaut. Im Gegensatz zu früheren Radierversuchen ist zudem das Weiß des Papiers nicht mehr nur leere Fläche, sondern harmonisch als Lichtpartie in das Clair-obscur miteinbezogen. Die spannungsreich differenzierte und zugleich kompakte Durchbildung der fast gesamten Blattfläche akzentuiert als ausdruckssteigerndes Mittel die manieristische Überhöhung der Figuren und spirituelle Intensität des gezeigten Momentes. Als Inspirationsquelle für die Figur des Engels diente Bellange wohl Caravaggios Gemälde gleichen Themas in Nancy (heute Musée des Beaux Arts).

Das Blatt im zweiten Zustand mit der Signatur - vom ersten Zustand ist nur ein Abzug in Boston bekannt - in einem prachtvollen, prägnanten und die tonalen Valeurs gegensatzreich wiedergebenden Abzug mit der vollen Einfassung an drei Seiten, unten mit Spuren der Facette. Unauffällig geglättete Mittelfalte verso, punktuell unmerkliche Bereibungen, drei Ecken montierungsbedingt minimal dünn, die obere rechte Spitze hinterlegt, unbedeutend angestaubt, vor allem verso, sonst in vorzüglicher Erhaltung. Von größter Seltenheit.

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