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Bernardo Canal, 1674 Venedig – 1744 ebenda, VENEDIG – ANSICHT DER PONTE DEI TRE ARCHI (DREIBOGEN-BRÜCKE)

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Öl auf Leinwand.
73,5 x 112,5 cm.
Gerahmt.

Beigegeben eine Expertise von Dario Succi, Gorizia.

Bernardo Canal entstammte einer seit um 1500 alteingesessenen Familie. Er war der Vater des Giovanni Antonio Canal (1697-1768), der unter dem Namen „Canaletto“ berühmt geworden ist. Wie viele seiner Malerkollegen widmete auch er sich der venezianischen Bühnen- und Theatermalerei, vor allem aber den Veduten der Lagunenstadt. Der Einfluss seines fast gleichaltrigen Zeitgenossen Luca Carlevaris (1663/65-1729/31) war nicht nur für ihn, sondern auch für weitere Vedutisten Venedigs von Bedeutung. 1717 wird er erstmals in der Liste der venezianischen Maler erwähnt und etwas später, 1739, erhielt er den Titel des „Priors“ der Gilde „Collegio dei Pittari“.
Abgesehen von seiner Vedutenmalerei machte er sich auch einen Namen im Bereich des Bühnenbildes. So ist sein Wirken für die berühmten venezianischen Theater und Opern wie dem Teatro San Angelo und dem Teatro San Cassiano dokumentiert, darunter für Aufführungen von Vivaldi, Pollarolo oder Orlandini, Musiker von Weltruhm. Neben diesen untergegangenen Bühnenbildern sind uns jedoch seine Venedig-Ansichten erhalten geblieben, in denen deutlich der Sinn für theatralische Lichteffekte zu erkennen ist, was den Bildern Lebendigkeit vermittelt.
Bernardo und sein Sohn „Canaletto“ arbeiteten in demselben Atelier zusammen. Hier wirkten anfänglich auch die weiteren Mitglieder der Malerfamilie, wie Bernardo Bellotto (1721-1780) und Pietro Bellotto (1725-1800).

In der Vedute hat Bernardo Canal die Ponte dei Tre Archi markant und dominierend ins Bild gesetzt. Es ist die einzige Dreibogenbrücke der Stadt, deren Gestaltung an eine weit frühere Holzbrücke erinnern sollte. Die drei Bögen beherrschen den gesamten unteren Bereich des Gemäldes, für das der Maler dementsprechend auch ein betontes Breitformat gewählt hat. Die im Schatten liegende Brücke überspannt den Cannaregio Kanal und verbindet den Bezirk Fondamenta Cannaregio mit dem Fondamenta San Giobbe. Sie wurde anstelle einer früheren Steinbrücke 1688 von dem Architekten Andrea Tirali überwiegend in Klinker aufgeführt. Der im hellen Licht stehende Palazzo mit seiner Bogen-Fensterreihe schräg dahinter, ist nicht mehr erhalten, er wurde bereits zwischen 1789 und 1805 abgerissen. Es ist der Palazzo Balbi-Valier Sammartini, dessen Fassade hier als eine theatralische, äußerst bildwirksame Überhöhung erscheint. Eine wenig später entstandene Vedute des Sohnes Canaletto zeigt an dieser Stelle schon eine andere Bebauung, weit weniger repräsentativ.
Belebt wird die Architekturlandschaft durch Staffagefiguren auf der Brücke sowie in Gruppen an den Ufern, in der zeitgemäßen Kleidung des 18. Jahrhunderts, vor allem aber auch durch die drei Gondeln unter dem mittleren Brückenbogen. Eine der Gondeln zeigt einen Kajütenaufbau, darin Figuren, daneben ein höfisch gekleideter Herr, dessen Gondel neben Gepäck auch einen Vogelkäfig transportiert.
Ein Stich von Domenico Lovisa, 1717 in seinem „Il Gran Teatro di Venezia“, veröffentlicht, zeigt variierende Kompositionen dieser Ansicht. A.R.

Anmerkung:
Von der hier vorliegenden Version ist mindestens ein weiteres Gemälde bekannt geworden (Kunsthandel Rom, 1955, welches Dario Succi in die Jahre 1738/ 40 datiert), jedoch wie gewöhnlich mit einigen Detailunterschieden. Eine weitere Version nahezu in gleicher Größe und mit rauchendem Kamin links oben wurde 2011 in bei Porro & C. in Mailand als Bernardo Canal, dann bei Bonhams in London als zugeschrieben versteigert.

Literatur:
C. Lollobrigida, Fiamenghi che vanno e che vengono. Vanvitelli e le origini del vedutismo, in: Canaletto e i vedutisti. L‘incanto dell‘ acqua, Aust. kat. 2011, S.26.Vgl. Rodolfo Pallucchini, La pittura nel Veneto, II Settecento, Mailand 1996.
Vgl. Filippo Pedrocco, Visions of Venice: Paintings of the 18th Century, New York 2002.
Annalia Delneri (Hrsg.), Da Canaletto a Zuccarelli: il paesaggio veneto del Settecento, Udine 2003.
Vgl. William George Constable, Canaletto. Giovanni Antonio Canal 1697-1768, Oxford 1989. (1370315) (11)

Bernardo Canal,
1674 Venice – 1744 ibid.

VENICE – VIEW OF THE PONTE DEI TRE ARCHI (THREE ARCHES BRIDGE)

Oil on canvas.
73.5 x 112.5 cm.
Framed.

Accompanied by an expert‘s report by Dario Succi, Gorizia.

At least one other painting of the present version is known (Art Trade Rome, 1955, dated by D. Succi to 1738/40), but as is usual with several differences in the details. Another version of almost the same dimensions was sold at auction in 2011 in Milan (Porro & C.) as “Bernardo Canal”, then in London (Bonhams) as “attributed” (there with a smoking chimney in the top left).

Literature:
C. Lollobrigida, Fiamenghi che vanno e che vengono. Vanvitelli e le origini del vedutismo, in: Canaletto e i vedutisti. L‘incanto dell‘ acqua, Aust. kat. 2011, S.26. cf. Rodolfo Pallucchini, La Pittura nel Veneto, II Settecento, 1996.
Filippo Pedrocco, Visions of Venice: Paintings of the 18th Century, New York 2002.
cf. Annalia Delneri, Da Canaletto a Zuccarelli: il paesaggio veneto del Settecento, 2003, Provincia di Udine, Assessorato alla Cultura.
cf. W. G. Constable, Canaletto. Giovanni Antonio Canal 1697 - 1768, Oxford 1989.

This object has been individually compared to the information in the Art Loss Register data bank and is not registered there as stolen or missing.

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Estimate
Unlock
Time, Location
07 Dec 2023
Germany, Munich
Auction House
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Öl auf Leinwand.
73,5 x 112,5 cm.
Gerahmt.

Beigegeben eine Expertise von Dario Succi, Gorizia.

Bernardo Canal entstammte einer seit um 1500 alteingesessenen Familie. Er war der Vater des Giovanni Antonio Canal (1697-1768), der unter dem Namen „Canaletto“ berühmt geworden ist. Wie viele seiner Malerkollegen widmete auch er sich der venezianischen Bühnen- und Theatermalerei, vor allem aber den Veduten der Lagunenstadt. Der Einfluss seines fast gleichaltrigen Zeitgenossen Luca Carlevaris (1663/65-1729/31) war nicht nur für ihn, sondern auch für weitere Vedutisten Venedigs von Bedeutung. 1717 wird er erstmals in der Liste der venezianischen Maler erwähnt und etwas später, 1739, erhielt er den Titel des „Priors“ der Gilde „Collegio dei Pittari“.
Abgesehen von seiner Vedutenmalerei machte er sich auch einen Namen im Bereich des Bühnenbildes. So ist sein Wirken für die berühmten venezianischen Theater und Opern wie dem Teatro San Angelo und dem Teatro San Cassiano dokumentiert, darunter für Aufführungen von Vivaldi, Pollarolo oder Orlandini, Musiker von Weltruhm. Neben diesen untergegangenen Bühnenbildern sind uns jedoch seine Venedig-Ansichten erhalten geblieben, in denen deutlich der Sinn für theatralische Lichteffekte zu erkennen ist, was den Bildern Lebendigkeit vermittelt.
Bernardo und sein Sohn „Canaletto“ arbeiteten in demselben Atelier zusammen. Hier wirkten anfänglich auch die weiteren Mitglieder der Malerfamilie, wie Bernardo Bellotto (1721-1780) und Pietro Bellotto (1725-1800).

In der Vedute hat Bernardo Canal die Ponte dei Tre Archi markant und dominierend ins Bild gesetzt. Es ist die einzige Dreibogenbrücke der Stadt, deren Gestaltung an eine weit frühere Holzbrücke erinnern sollte. Die drei Bögen beherrschen den gesamten unteren Bereich des Gemäldes, für das der Maler dementsprechend auch ein betontes Breitformat gewählt hat. Die im Schatten liegende Brücke überspannt den Cannaregio Kanal und verbindet den Bezirk Fondamenta Cannaregio mit dem Fondamenta San Giobbe. Sie wurde anstelle einer früheren Steinbrücke 1688 von dem Architekten Andrea Tirali überwiegend in Klinker aufgeführt. Der im hellen Licht stehende Palazzo mit seiner Bogen-Fensterreihe schräg dahinter, ist nicht mehr erhalten, er wurde bereits zwischen 1789 und 1805 abgerissen. Es ist der Palazzo Balbi-Valier Sammartini, dessen Fassade hier als eine theatralische, äußerst bildwirksame Überhöhung erscheint. Eine wenig später entstandene Vedute des Sohnes Canaletto zeigt an dieser Stelle schon eine andere Bebauung, weit weniger repräsentativ.
Belebt wird die Architekturlandschaft durch Staffagefiguren auf der Brücke sowie in Gruppen an den Ufern, in der zeitgemäßen Kleidung des 18. Jahrhunderts, vor allem aber auch durch die drei Gondeln unter dem mittleren Brückenbogen. Eine der Gondeln zeigt einen Kajütenaufbau, darin Figuren, daneben ein höfisch gekleideter Herr, dessen Gondel neben Gepäck auch einen Vogelkäfig transportiert.
Ein Stich von Domenico Lovisa, 1717 in seinem „Il Gran Teatro di Venezia“, veröffentlicht, zeigt variierende Kompositionen dieser Ansicht. A.R.

Anmerkung:
Von der hier vorliegenden Version ist mindestens ein weiteres Gemälde bekannt geworden (Kunsthandel Rom, 1955, welches Dario Succi in die Jahre 1738/ 40 datiert), jedoch wie gewöhnlich mit einigen Detailunterschieden. Eine weitere Version nahezu in gleicher Größe und mit rauchendem Kamin links oben wurde 2011 in bei Porro & C. in Mailand als Bernardo Canal, dann bei Bonhams in London als zugeschrieben versteigert.

Literatur:
C. Lollobrigida, Fiamenghi che vanno e che vengono. Vanvitelli e le origini del vedutismo, in: Canaletto e i vedutisti. L‘incanto dell‘ acqua, Aust. kat. 2011, S.26.Vgl. Rodolfo Pallucchini, La pittura nel Veneto, II Settecento, Mailand 1996.
Vgl. Filippo Pedrocco, Visions of Venice: Paintings of the 18th Century, New York 2002.
Annalia Delneri (Hrsg.), Da Canaletto a Zuccarelli: il paesaggio veneto del Settecento, Udine 2003.
Vgl. William George Constable, Canaletto. Giovanni Antonio Canal 1697-1768, Oxford 1989. (1370315) (11)

Bernardo Canal,
1674 Venice – 1744 ibid.

VENICE – VIEW OF THE PONTE DEI TRE ARCHI (THREE ARCHES BRIDGE)

Oil on canvas.
73.5 x 112.5 cm.
Framed.

Accompanied by an expert‘s report by Dario Succi, Gorizia.

At least one other painting of the present version is known (Art Trade Rome, 1955, dated by D. Succi to 1738/40), but as is usual with several differences in the details. Another version of almost the same dimensions was sold at auction in 2011 in Milan (Porro & C.) as “Bernardo Canal”, then in London (Bonhams) as “attributed” (there with a smoking chimney in the top left).

Literature:
C. Lollobrigida, Fiamenghi che vanno e che vengono. Vanvitelli e le origini del vedutismo, in: Canaletto e i vedutisti. L‘incanto dell‘ acqua, Aust. kat. 2011, S.26. cf. Rodolfo Pallucchini, La Pittura nel Veneto, II Settecento, 1996.
Filippo Pedrocco, Visions of Venice: Paintings of the 18th Century, New York 2002.
cf. Annalia Delneri, Da Canaletto a Zuccarelli: il paesaggio veneto del Settecento, 2003, Provincia di Udine, Assessorato alla Cultura.
cf. W. G. Constable, Canaletto. Giovanni Antonio Canal 1697 - 1768, Oxford 1989.

This object has been individually compared to the information in the Art Loss Register data bank and is not registered there as stolen or missing.

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07 Dec 2023
Germany, Munich
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