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LOT 240 A

Johann Heinrich Tischbein d. Ä., 1722 Heina – 1789 Kassel, zug., STAATSBILDNIS DES LANDGRAFS FRIEDRICH II VON HESSEN-KASSEL

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Öl auf Leinwand.
149 x 111 cm.

Das Gemälde zeigt den Landesherrn in Lebensgröße. Mit Blick auf den Betrachter, steht er vor einer hügeligen Landschaft rechts und einem Laubbaum links. Seine rechte Hand auf einen Feldherrnstab gestützt, die linke an die Hüfte gelegt.
Landgraf Friedrich II (1720 Kassel - 1785 Schloss Weissenstein) regierte ab 1760. Verehelicht mit einer Tochter des englischen Königs George III 1741 befehligte er seine Truppen im Verband mit Kaiser Karl VII im Österreichischen Erbfolgekrieg, konvertierte heimlich zum Katholizismus, worauf sich seine Gemahlin mit seinen drei Söhnen von ihm trennte. Er sah seine Frau nie-, die Söhne erst 1782 wieder. In zweiter Ehe mit Pilippine von Preußen, befehligte er als Generalfeldmarschall im Siebenjährigen Krieg, was ihm den Schwarzen Adlerorden eintrug.
Diese politischen Hintergründe erklären nicht nur die mit Orden geschmückte Brust, sondern auch die Entstehungszeit des Bildes, das dokumentiert, dass es nach den verliehenen Auszeichnungen gemalt wurde.
Hier trägt er einen silberbestickten Militärrock mit Silberbesatz, darauf die Sterne des Hosenbandordens, und des schwarzen Adlerordens. Am blauen Ordensband auf der Brust der hessische Orden „Pour la militaire“. Neben dem Degengefäß der Hessische Hausorden vom Goldenen Löwen - dieser wiederholt auf dem roten Futter des Hermelinmantels links unten, darauf der Dreispitz.
Sein Reichtum erwuchs aus dem im 18. Jahrhundert geübten Soldatenhandel, vor allem für den Unabhängigkeitskrieg in Amerika, was dem Herrscher auch ermöglichte, das Kunstwesen zu fördern – mit der Akademie 1777, dem Erwerb des berühmten antiken „Apollon“, oder seinem „Friedericianum“, dem ersten öffentlichen Museum Europas.
Seine Staatsporträts – wie die auch anderer Herrscher erforderlich für die Schlösser der Adelsfamilien – wurden von Tischbein in mehreren Repliken geschaffen, jeweils mit unterschiedlichen Details, je nach den politischen Ereignissen oder militärischen Erfolgen. Als preußischer Generalfeldmarschall ist er etwa in dem Gemälde vor einer Schlacht zu sehen (Bridgeman Art Library). Das hier vorliegende Gemälde zählt zu den ausgezeichneten Versionen der Porträtreihe des Landgrafen, in hervorragender Malqualität. A.R.

Tischbein war einer der bedeutendsten Porträtisten des 18. Jahrhunderts und bekanntesten deutschen Maler. Als Bäckerssohn gelang ihm der Aufstieg zum Hofmaler. In Paris studierte er bei Carle van Loo, in Venedig bei Piazzetta. Seit 1753 Hofmaler in Hessen, schuf er unzählige Bildnisse der landgräflichen Familien, als Professor für Malerei und Direktor an der Kasseler Kunstakademie war er Lehrer mehrerer Mitglieder seiner Familie, so etwa seines Neffen Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), der als Goethe-Tischbein berühmt wurde. Er begründete er einen Malstil, der auch das 19. Jahrhundert mitprägte.

Provenienz:
Dorotheum Wien, März 1998, Lot. 256.

Literatur:
Vgl. Flohr, Anna-Charlotte: Johann Heinrich Tischbein d.Ä. (1722-1789) als Porträtmaler mit einem kritischen Werkverzeichnis. München 1997, S. 300.
Vgl. Heraeus, Stefanie [Bearb.]; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: Spätbarock und Klassizismus. Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Museen Kassel. Kassel [u.a.] 2003, S. 105, Kat.Nr. 83.
Vgl. Eckhart G. Franz: Haus Hessen – Biografisches Lexikon. 2012, S. 129 ff.
Vgl. Sonderausstellung 2022 Schloss Fasanerie Eichenzell bei Fulda: Tischbein – Meisterwerke des Hofmalers, Porträts und Landschaften von Johann Heinrich Tischbein d. Ä. (1722-1789). (13713341) (11)

Johann Heinrich Tischbein the Elder,
1722 Heina – 1789 Kassel, attributed

STATE PORTRAIT OF LANDGRAVE FRIEDRICH II OF HESSE-KASSEL

Oil on canvas.
149 x 111 cm.

Provenance:
Dorotheum Vienna, March 1998, lot. 256.

Literature:
cf. Flohr, Anna-Charlotte: Johann Heinrich Tischbein the Elder (1722-1789) as a portrait painter with a critical catalogue raisonné. Munich 1997, p. 300.
cf. Heraeus, Stefanie [ed.]; Eissenhauer, Michael [ed:] Late Baroque and Classicism. Catalogue of the Paintings in the Staatliche Museen Kassel. Kassel [et al.] 2003, p. 105, cat. no. 83.
cf. Eckhart G. Franz: House of Hesse – Biographical Dictionary. 2012, p. 129 ff.
cf. special exhibition 2022 Schloss Fasanerie Eichenzell near Fulda: Tischbein – Masterpieces of the Court Painter, Portraits and Landscapes by Johann Heinrich Tischbein the Elder (1722-1789).

This object has been individually compared to the information in the Art Loss Register data bank and is not registered there as stolen or missing.

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Estimate
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Time, Location
07 Dec 2023
Germany, Munich
Auction House
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Öl auf Leinwand.
149 x 111 cm.

Das Gemälde zeigt den Landesherrn in Lebensgröße. Mit Blick auf den Betrachter, steht er vor einer hügeligen Landschaft rechts und einem Laubbaum links. Seine rechte Hand auf einen Feldherrnstab gestützt, die linke an die Hüfte gelegt.
Landgraf Friedrich II (1720 Kassel - 1785 Schloss Weissenstein) regierte ab 1760. Verehelicht mit einer Tochter des englischen Königs George III 1741 befehligte er seine Truppen im Verband mit Kaiser Karl VII im Österreichischen Erbfolgekrieg, konvertierte heimlich zum Katholizismus, worauf sich seine Gemahlin mit seinen drei Söhnen von ihm trennte. Er sah seine Frau nie-, die Söhne erst 1782 wieder. In zweiter Ehe mit Pilippine von Preußen, befehligte er als Generalfeldmarschall im Siebenjährigen Krieg, was ihm den Schwarzen Adlerorden eintrug.
Diese politischen Hintergründe erklären nicht nur die mit Orden geschmückte Brust, sondern auch die Entstehungszeit des Bildes, das dokumentiert, dass es nach den verliehenen Auszeichnungen gemalt wurde.
Hier trägt er einen silberbestickten Militärrock mit Silberbesatz, darauf die Sterne des Hosenbandordens, und des schwarzen Adlerordens. Am blauen Ordensband auf der Brust der hessische Orden „Pour la militaire“. Neben dem Degengefäß der Hessische Hausorden vom Goldenen Löwen - dieser wiederholt auf dem roten Futter des Hermelinmantels links unten, darauf der Dreispitz.
Sein Reichtum erwuchs aus dem im 18. Jahrhundert geübten Soldatenhandel, vor allem für den Unabhängigkeitskrieg in Amerika, was dem Herrscher auch ermöglichte, das Kunstwesen zu fördern – mit der Akademie 1777, dem Erwerb des berühmten antiken „Apollon“, oder seinem „Friedericianum“, dem ersten öffentlichen Museum Europas.
Seine Staatsporträts – wie die auch anderer Herrscher erforderlich für die Schlösser der Adelsfamilien – wurden von Tischbein in mehreren Repliken geschaffen, jeweils mit unterschiedlichen Details, je nach den politischen Ereignissen oder militärischen Erfolgen. Als preußischer Generalfeldmarschall ist er etwa in dem Gemälde vor einer Schlacht zu sehen (Bridgeman Art Library). Das hier vorliegende Gemälde zählt zu den ausgezeichneten Versionen der Porträtreihe des Landgrafen, in hervorragender Malqualität. A.R.

Tischbein war einer der bedeutendsten Porträtisten des 18. Jahrhunderts und bekanntesten deutschen Maler. Als Bäckerssohn gelang ihm der Aufstieg zum Hofmaler. In Paris studierte er bei Carle van Loo, in Venedig bei Piazzetta. Seit 1753 Hofmaler in Hessen, schuf er unzählige Bildnisse der landgräflichen Familien, als Professor für Malerei und Direktor an der Kasseler Kunstakademie war er Lehrer mehrerer Mitglieder seiner Familie, so etwa seines Neffen Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), der als Goethe-Tischbein berühmt wurde. Er begründete er einen Malstil, der auch das 19. Jahrhundert mitprägte.

Provenienz:
Dorotheum Wien, März 1998, Lot. 256.

Literatur:
Vgl. Flohr, Anna-Charlotte: Johann Heinrich Tischbein d.Ä. (1722-1789) als Porträtmaler mit einem kritischen Werkverzeichnis. München 1997, S. 300.
Vgl. Heraeus, Stefanie [Bearb.]; Eissenhauer, Michael [Hrsg.]: Spätbarock und Klassizismus. Bestandskatalog der Gemälde in den Staatlichen Museen Kassel. Kassel [u.a.] 2003, S. 105, Kat.Nr. 83.
Vgl. Eckhart G. Franz: Haus Hessen – Biografisches Lexikon. 2012, S. 129 ff.
Vgl. Sonderausstellung 2022 Schloss Fasanerie Eichenzell bei Fulda: Tischbein – Meisterwerke des Hofmalers, Porträts und Landschaften von Johann Heinrich Tischbein d. Ä. (1722-1789). (13713341) (11)

Johann Heinrich Tischbein the Elder,
1722 Heina – 1789 Kassel, attributed

STATE PORTRAIT OF LANDGRAVE FRIEDRICH II OF HESSE-KASSEL

Oil on canvas.
149 x 111 cm.

Provenance:
Dorotheum Vienna, March 1998, lot. 256.

Literature:
cf. Flohr, Anna-Charlotte: Johann Heinrich Tischbein the Elder (1722-1789) as a portrait painter with a critical catalogue raisonné. Munich 1997, p. 300.
cf. Heraeus, Stefanie [ed.]; Eissenhauer, Michael [ed:] Late Baroque and Classicism. Catalogue of the Paintings in the Staatliche Museen Kassel. Kassel [et al.] 2003, p. 105, cat. no. 83.
cf. Eckhart G. Franz: House of Hesse – Biographical Dictionary. 2012, p. 129 ff.
cf. special exhibition 2022 Schloss Fasanerie Eichenzell near Fulda: Tischbein – Masterpieces of the Court Painter, Portraits and Landscapes by Johann Heinrich Tischbein the Elder (1722-1789).

This object has been individually compared to the information in the Art Loss Register data bank and is not registered there as stolen or missing.

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Germany, Munich
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